Samstagmittag.
Martin und ich stehen pünktlich vor dem voll bepackten
Auto, als langsam auch der Rest der Truppe eintrudelt.
Holger, Johannes und John sind sichtlich verwirrt und
befürchten schon zu spät zu sein, denn ab
und zu hängen eher Martin und ich hinterher...
Vielleicht war es die Vorfreude, oder aber auch die
Erfahrung, die wir uns mittlerweile in der Routenplanung
und im Verstauen von Instrumenten, Merchandisekisten
und sperrigen Kerzenständern angeeignet haben,
auf jeden Fall ist alles bereit und wir brechen plangemäß
gen Leipzig auf.
Diesmal sind wir sogar zweimal auf dem Festival vertreten.
Der erste
Auftritt findet im Heidnischen Dorf statt und am Sonntag
spielen wir im Schauspielhaus. Wir sind gespannt.
Ich war noch nie zuvor im Heidnischen Dorf und bin dementsprechend
neugierig. Zuvor beziehen wir aber unsere Hotelzimmer
und holen unsere Festivalbändchen. Im Organisationsbüro
des WGTs geht`s sehr gemütlich und ungewohnt gelassen
zu, was mir auch schon positiv bei der Planung im Vorfeld
aufgefallen ist.
Im Heidnischen Dorf angekommen, schauen wir uns erstmal
ein bisschen um und schlendern über das Gelände...
Langsam rückt unser Auftritt näher –
das denken wir zumindest – doch dann beschlagnahmt
eine Feuertanzgruppe die gesamte Bühne, was auch
die Techniker vor Ort etwas aus dem Konzept bringt,
weil wir nicht wie geplant mit dem Soundcheck und Aufbau
beginnen können. Abwarten.
Als die Darbietung der Tänzerinnen vorbei ist,
entern wir die Bühne. Wie wir erfahren geht das
Licht nur noch an, oder aus. Wir entscheiden uns für
halb an. Ein Glück, dass wir auch Kerzen dabei
haben.
Schon beim Soundcheck und Aufbau, bei dem uns das Publikum
bereits gespannt zusieht, wird mir klar, dass dieses
Konzert mit allen Regeln, die mir sonst so heilig sind,
brechen wird.
Mit reichlich Verspätung betreten wir die Bretterbühne.
Vor uns scharen sich die wirklich interessierten Zuschauer.
Weiter hinten sitzen oder liegen Leute im Gras und am
Bühnenrand haben sich betrunkene Gäste in
der Nähe der Bar platziert, denen das Konzert ab
der Hälfte eindeutig zu lange dauert und die ihren
Unmut laut kund tun - Nachdem wir nur sehr leise abgemischt
werden und man eigentlich nur direkt vor der Bühne
gut hören kann, sind die Zwischenrufe, die nicht
zu unseren Gunsten ausfallen, wohl lauter als wir.
Auf der Bühne sind wir weiterhin bemüht dem
Gedanken „Romantisches Nachtkonzert“ alle
Ehre zu machen.
Gut, es war Nacht und auch auf der Bühne muss es
auf Grund des Lichtproblems recht finster gewesen sein,
nur mit der Romantik ist`s sehr schwierig, da es im
Dorf doch eher rustikal zu geht und die grundsätzliche
Unruhe unseren Songs nicht sehr zuträglich ist.
Vor „Reflection“ packe ich schließlich
die Gelegenheit beim Schopf und mache eine Ansage, die,
die Betrunkenen schließlich doch noch zum Schweigen
und den Rest des Publikums zum Lachen bringt. Selbst
Holger kann sich nur schwer zusammen reißen und
sich das Lachen kaum verkneifen, als ich den Herrschaften
auch noch zuwinke... Zumindest war es nachher ruhig
und wir können das Konzert gut zu Ende bringen.
Ich denke wir haben das Beste aus der Situation gemacht,
nur leider fühlten wir uns doch etwas deplatziert,
aber irgendwie machte der recht abenteuerliche Auftritt
mit Lagerfeueratmosphäre und Umziehen im Auto auch
Spaß...
Dennoch: Genug der Eindrücke für diesen Sonnabend,
wir packen schnell alles in unser Auto und nichts wie
weg – zurück in die Zivilisation.
Der sehr ereignisreiche Tag findet in der Hotelbar seinen
Ausklang. Müde fallen wir in unsere Betten, die
wir allerdings schon sehr früh für den Soundcheck
im Schauspielhaus verlassen müssen.
» weiter