Bevor wir
nach Leipzig aufbrechen, macht John im Hotel eine wunderbare
Entdeckung: Das Treppenhaus. Es sieht aus wie ein gewöhnliches
Treppenhaus, verfügt aber über eine atemberaubende
Akustik. Wenn man die Augen schließt und einen
Ton singt, könnte man meinen in einer Kathedrale
zu stehen. John wünscht sich ein gemeinsames Lied
in besagtem Treppenhaus anzustimmen, also geben wir
schon in aller Früh „Strange“ und „The
End of the World“ zum Besten und lassen uns völlig
von dem einzigartigen Klang wegbeamen.
Von diesem Erlebnis beflügelt brechen wir schließlich
auf. Überraschend schönes Wetter begeleitet
unseren Weg und wir genießen die warmen Sonnenstrahlen
bei einer kleinen Rast.
In Leipzig gibt`s viel zu erkunden: Zu allererst einen
Supermarkt, der vor allem Holger zu Begeisterungsstürmen
hinreißt, danach unsere kleine, aber irgendwie
doch sehr skurrile Pension und zu guter Letzt kommen
wir im Kulturbundhaus an.
Die Bühne sieht zwar sehr nett aus, ist aber etwas
klein für all unsere Sachen, also weiche ich mit
meinen Utensilien nach vorne aus und so finden wir doch
noch alle Platz in der urigen Location.
Der Soundcheck steht unter einem sehr ausgelassenen
Stern und eskaliert schließlich in einem Instrumenten-Tausch.
Warum auch nicht. Holger macht den Anfang an den Percussions,
die später Martin übernimmt. John schnappt
sich Johannes Kontrabass, auf den er generell ein Auge
geworfen hat und gerne die Gelegenheit nutzt ein paar
Töne darauf zu spielen und schließlich greife
ich zum Cello. Johannes übernimmt lieber die Rolle
des stillen Beobachters, während Martin Holger
zu apokalyptischen Cello-Einlagen motiviert.
Bis zum Konzert können wir uns aber wieder beruhigen,
obwohl auch dieses einige Überraschungen zu bieten
hat, denn jetzt legt Johannes so richtig los und perfektioniert
sein Solo bei „Black Widow“ um einen markerschütternden
Schrei, der mich gleichzeitig begeistert und überrascht...
Wir sind ja mittlerweile einiges gewohnt und erwarten
das
Solo immer mit Spannung, aber der Schrei ist eindeutig
neu. Ich erschrecke so, dass ich mich lieber erst gar
nicht umdrehe und weitermache. Nach dem Song ist der
Kontrabass völlig verstimmt und verzogen, aber
gut, wo gehobelt wird...
Bis die Herren wieder in Stimmung sind unterhalte ich
mich mit dem Schaf unter unseren Fans, mit Shawn...
Leider ist er etwas schüchtern, als ich ihn auf
die Bühne hole und spontan ein Duett mit ihm intoniere.
Dennoch ist er ganz Profi und ich finde wir haben das
gut gemacht. Fulminant beschließen wir also das
letzte Konzert.
Und so geht ein abenteuerliches, ja animalisches Wochenende
mit ekstatischen Tänzen, wilden Instrumental-Orgien
des Kalibers Katzenjammer und einem Brunftschrei der
selbst die schwarze Witwe persönlich aus ihrem
Netz katapultieren würde zu Ende und macht Lust
auf mehr...
Sonja