Es geht wieder
nach Wernigerode, unser Wohnzimmer sozusagen, denn nirgendwo
haben wir bisher öfter gespielt.
Und diesmal war ich auch von unserer Reiseleitung sehr
begeistert. Laute Anregungen, aber auch stille Wünsche
wurden erfüllt. So begann es, dass wir mit dem
fast fertig beladenen Bus bei Johannes abgeholt wurden
und dann Dank des zusätzlich engagierten Chauffeurs
Stefan auch sehr komfortabel sitzen konnten.
Und dann wurde mir noch in Aussicht gestellt, dass der
Burger King Stopp schon eingeplant sei. Wow, Ihr seid
so gut zu mir. Doch als es dann soweit sein sollte und
wir die Ausfahrt nahmen, was musste ich da sehen, fahren
sie doch an BK vorbei, hin zu Ronald! NEIN, wie oft
hab ich Euch das schon gesagt,
das ist nicht das selbe, da gibt es Unterschiede - vielleicht
nicht für Euch, aber für mich.
Meine Aufregung war jedoch vollkommen umsonst, war dies
doch nur die durchaus gelungene Revanche für all
die Veräppelungsversuche, die ich sonst so vornehme.
John wartete mit Freundin dort auf uns, um mit uns die
Weiterfahrt anzutreten. Gut, es waren zunächst
nur 500 Meter, denn dann wurde alles gut…
Als wir am Nachmittag im Hotel ankamen trafen wir auch
noch auf unsere beiden Individualanreiser Cordula und
kleiner Lord. Somit machten wir uns mit dem größten
Persephonegefolge aller Zeiten (11 Personen) auf zum
Schloss. Wie immer auf das Herzlichste von Christian
Juranek empfangen, breiteten wir uns in der Kirche aus,
um unsere Stammplätze zu beziehen. War doch die
gewohnt warme Akustik eine Wohltat nach dem trockenen
Klang letzte Woche in Darmstadt, so ging der Soundcheck
recht schnell. Umso besser, denn so konnten wir umso
schneller Kerstins sagenhafte Pfannkuchentorte genießen.
Und während ich mich schon auf das Buffet freue,
stelle ich fest, dass eine ganze Menge Menschen ins
Schloss strömen. Hm, da war doch was, mussten wir
uns das Abendessen doch erst noch verdienen. Also folgten
wir Sonja auf die Bühne, wo sie schon vor uns an
ihrem neuen Tisch Platz nahm. Die liebevoll arrangierten
Details wie Tintenfass und Federkiel betrachtend stimmten
wir a capella in "Strange" ein. Als wir dann
für die nächsten Stücke unsere Plätze
an den Instrumenten einnahmen, wagte ich einen ersten
Blick ins Publikum und sah, dass die Kirche voll war
wie das Waldstadion, wenn die Bayern kommen.
Dass Sonja wie immer darauf bestand, barfuß zu
singen war ja kaum eine Übrerschung aber dennoch
für mich immer wieder erstaunlich, war es doch
ganz schön kalt. Wahrscheinlich war dies auch der
Grund, warum wir zwischen den Stücken des öfteren
mit Applaus bedacht wurden, ist dies doch die einzige
Möglichkeit für
unsere Zuhörer gewesen, die Hände etwas zu
wärmen. Nicht dass wir es nicht verdient hätten,
würde ich doch mal ganz unobjektiv behaupten, dass
unsere Performance die Begeisterung wert war.
Doch hat es die Kälte auch geschafft, mir ein leichtes
Schmunzeln auf die Lippen zu legen, als ich meine kalten
Finger am Hosenbein warmzurubbeln versuchte und Sonja
in „The Man who swallowed my soul“ die Textzeile
„…and his hands were cold…“
anstimmte.
Neben einigen altbekannten Klassikern bekamen die Wernigeröder
Pilger auch eine Menge neue Stücke zu hören.
Die a capella Versionen von "Strange" und
"Stranger" setzten den Trend von "The
End of the World" fort, uns Musiker auch außerhalb
unserer Kernkompetenzen einzusetzen. Mit "Everlasting"
hatten wir auch eine neue Nummer, die hervorragend mit
den Cellostücken "The day you went away"
und "Drowning theme" harmonierte. In dem bewegteren
Schlussteil konnte das Publikum nach "Black Widow",
"Reflection" und "Mean" bei "Blue"
dem Wahnsinn noch für kurze Zeit entkommen, doch
mit "Merciless" und der Zugabe "Don’t
talk to strangers" (Coverversion von DIO) war es
dann um alle geschehen. Hat es doch allen so gefallen,
dass wir unsere Gäste mit "Guardian Angel"
in die Nacht entließen.
Jetzt stand dem Buffet eigentlich nichts mehr im Wege,
nur noch schnell das Cello einpacken, ab zum Zapfhahn
und…he was machen denn noch all die Leute hier
in der Kirche? Ah, Autogramme.
Da mich der Weg zu meinem Cello nur durch die Massen
geführt hätte, musste ich mir etwas einfallen
lassen. Vielleicht kann man sie ablenken. Da kam mir
die Idee, Sonja etwas zu drängeln, sie solle rauskommen,
und siehe da, es hat funktioniert: Die Massen waren
in die richtige Richtung gelenkt und ich konnte ungehindert
dem Gerstensaft entgegenschreiten.
Doch auch beim anschließenden Essen wurde noch
weiter gearbeitet. Da Philipp von der Plattenfirma da
war, hat er uns noch gleich ein paar CDs und Poster
zum Signieren vorgelegt, auf dass diese in einigen Verlosungen
die Öffentlichkeit erfreuen.
Am nächsten Morgen ging es dann wieder zurück
in die Heimat und die Reiseleitung hatte noch zwei Schmankerl
parat: Zum einen der Stopp am BK (wurde mein jahrelanges
Nörgeln und Jammern nun endlich erhört? Werde
ich in meiner Sucht verstanden? Übrigens Stefan,
ich hab die Krone noch, wenn Du die Möglichkeit
haben willst, sie über ebay zu ersteigern, dann
sag Bescheid, dann stell ich sie rein), zum anderen
der Nach-Hause-Bring-Service. Super, da freu ich mich
doch schon auf die Fahrten nach Prag, Wien, Wuppertal,
Stuttgart, Zürich…
Holger