Erstaunlich
leicht fällt es mir, aus dem Bett zu kommen. Dachte,
ich sei erschöpfter, nach dem Abend gestern. Ist
mir aber sehr recht, schließlich haben wir eine
weite Strecke zu bezwingen. Wir packen also unsere Siebensachen
und –musiker ein und tuckern gen Seybothenreuth.
Dort erfolgt der erste Etappenstop und die Weiterfahrt
in Kolonne gemeinsam mit BELLA DONNA. Zunächst
über die Landstraße gelangen wir dann auf
die entsprechende Autobahn zur tschechischen Grenze,
meine Mitfahrer ob des sonoren Brummens des Motors eingenickt.
Tut mir ja leid, dass ich sie wecken muss, aber schließlich
muss man den Grenzbeamten ja seinen Paß vorlegen.
Verschlafen trudelt ein Papier nach dem anderen in meinen
Schoß,
als ich ein schuldbewußtdurchtränktes und
in Inbrunst und Verzweiflung nicht zu übertreffendes
„Scheiße!“ vernehme: Ausgerechnet
Sonja hat ihren Paß nicht dabei. Der vernichtende
Kommentar des deutschen Grenzbeamten „Hier kommen
Sie nicht weiter.“ Treibt auch die letzte Müdigkeit
aus unseren Gesichtern. Rechts ´ranfahren, aussteigen,
diskutieren. Ironie des Schicksals: Auch BELLA DONNA
haben dieses Problem. Naja. Viel Hin und Her, eine aufgelöst
flehende Sonja, die so schnell von einem Punkt zum anderen
flitzt, dass man nur einen roten Streifen durch den
Grenzübergang wahrnimmt. Ich gönne mir währenddessen
eine kleine Ruhepause. Nach einer Stunde geht’s
dank Bahncard und Übergangspaß dann doch
weiter, auch BELLA DONNA waren erfolgreich. Mit einiger
Verspätung, aber noch immer „in time“,
erreichen wir die St.-Jan-Krtitel-Kirche. Idyllisch
gelegen, nahe der Moldau in einem beschaulichen, adretten
Viertel von Prag, fällt das nervenaufreibende Missgeschick
an der Grenze von uns ab und wir beginnen entspannt
mit den Vorbereitungen. Auch hier haben wir es mit einer
sehr begünstigenden Akustik zu tun, und das warme,
intime Ambiente der Kirche gibt uns ein gutes Gefühl
für den heutigen Abend. Leider ist John nicht dabei,
weswegen es eine Umstellung des Sets gibt. Demnach eröffnen
wir das Konzert mit einer A Capella-Version von „The
End Of The World“, das Johannes, Holger und ich
in der hübsch zurecht gemachten Außenanlage
der Kirche noch ein letztes Mal proben, bevor wir uns
am Catering stärken.
Heute spielen BELLA DONNA zuerst. Die beengten Verhältnisse
im wohl skurrilsten Backstageraum, den wir jemals gesehen
haben (eine Wand war mit Urnen bestückt!), zwingen
uns zu einer logistischen Meisterleistung während
des Umbaus. Schließlich geht’s los: Wir
betreten in klerikaler Manier die Kirche, also vom Haupteingang,
und formieren uns zum Opener „The End Of The World“,
der sich auch in der Kirche hervorragend singt. Auch
das Konzert verläuft äußerst superb,
das Publikum applaudiert frenetisch, habe heute auch
keinen Krampf in den Fingern!
Anschließend beenden wir den Abend in einer sehr
stilvollen „Chill-Out“-Location. Allzu lange
bleiben wir aber nicht, da wir dann doch schon ziemlich
müde sind. Zufrieden ziehen wir uns ins Hotel zurück
und genießen die Stille, die uns erstmals an diesem
heutigen Tag umfängt – ich zumindest…
Der Tag danach: Kein Prag-Besuch ohne Sightseeing! Das
würde Mirek, Veranstalter und Promoter des Konzerts,
nie zulassen. Nachdem wir beim letzten Mal die Karlsbrücke
und die Innenstadt besichtigt haben, fahren wir fort
mit der Prager Burg, einem wirklich beeindruckenden
Bauwerk. Findet auch Hagen. Allein die Kathedrale lässt
einem den Atem stocken.
Ebenfalls die unzähligen Touristen, die das ebenso
beeindruckend zu finden scheinen. Ein Beispiel: Johannes,
der wohl aus beruflichem Interesse „nur mal kurz“
einen Blick in die Kathedrale werfen will, kommt nach
kurzer Zeit ernüchtert wieder zurück. Hunderte
von anderen Menschen hatten die gleiche Idee…
Doch leider können wir nicht zu lange verweilen,
schließlich haben wir ja noch die Rückreise
vor uns. Nach einigen weiteren Fotos an diesem schönen
Frühlingstag machen wir uns auf den Heimweg.
Der obligatorische Burger King-Stop erklärt sich
von selbst. Zurück zu Hause freuen wir uns, ein
so angenehmes und erfolgreiches Wochenende verlebt
zu haben.
Martin