««  
Bad Vöslau, 03.12.2005 »


Freitag, 2.12.05

Bei der Autovermietung hat diesmal alles geklappt – aus Schaden wird man ja schließlich klug. Nur zu viert machen wir unser Vehikel startklar und uns auf den Weg. John und Johannes treffen wir dann morgen in Wien, da sie diesen Freitag noch zu arbeiten haben und mit dem Zug nachkommen. Bereits nach der Abfahrt verspüren wir alle, also Sonja, Juana, Holger und ich, ein Hungergefühl aufkommen.
„Erstmal an Würzburg vorbei, vorher gibt’s kein Essen“ – ist die Devise. So ist es dann auch. Nach langer Zeit mal wieder Fast Food. Gehört aber irgendwie dazu, wenn man mit der Band unterwegs ist. Im Burger King unserer Wahl (Holgers glückliches Grinsen ist unvergessen) kehren wir ein. Holger wird von Juana mittels Papp-Krone zum König gekrönt – Holger der Große; oder doch besser Holger der Gerechte? Schließlich ist er als Anwalt ja auch einer gewissen Ethik verpflichtet. Die Taten werden’s zeigen. Die Kilometer schrumpfen mit voranschreitender Zeit, die wir auf Deutschlands und Österreichs mittlerweile schon vertrauten Autobahnen verbringen, während Robert Langdon mit einer direkten Verwandten von Jesus’ Mama durch Paris und London irrt und mit UV-Licht verschlüsselte Botschaften liest, bevor er dann doch noch mit ihr in die Kiste steigt. Das andere Hörspiel von Dan Brown hat mir besser gefallen - Teilchenphysiker, Dämonenloch und Antipapst – war irgendwie abgefahrener. Schließlich kommen wir in unserer Unterkunft an. Eine Freundin Sonjas war so zuvorkommend uns Unterschlupf zu gewähren. Noch rasch beim Heurigen eingekehrt und was Nahrhaftes zwischen die Rippen geschoben, dann ins Bett.

Samstag, 3.12.05

Relaxed und nach reichhaltigem (erstem) Frühstück holen wir John und Johannes ab, die es sich auch schon im bahnhofseigenen Internetcafé gemütlich gemacht haben. Dann ins Bestattungsmusen – wo wir schon mal hier sind. Sehr bemüht, der Herr Magister Weiss. Fühlen uns ob des Interieurs auch gleich zu Hause. Die gelbe Wand hinter der Bühne irritiert uns aber schon „a bisserl“. Auf Anraten Johns wird sie mit grauem Stoff überzogen. Soundcheck und Stellprobe. Klappt alles ganz gut. Auch die Schlepperei teilen wir uns gut auf. Noch hier und da mal nach links, mal nach rechts gerückt, dann haben wir das gröbste geschafft. Zurück bei Iris (unserer Gastgeberin)
ist nach dem zweiten Frühstück erstmal Chillout angesagt. Holger und Juana hauen sich noch ein wenig auf Ohr, Johannes später auch, jedoch nicht bevor er sich noch ein paar Kapitel Religionswissenschaft einfährt – er muss pauken fürs Diplom. Da sich die drei auf der größten (und gemütlichsten) zur Verfügung stehenden Liegefläche niedergelassen haben, ergibt das eine Ménage à trois mit akademischem Einschlag und ohne Sex. Findet Johannes nicht so toll, als ich das als – meiner Meinung nach – gelungen Scherz anbringe. Der König grinst und Juana verliert sich als Quotenzwerg in den Daunen. Kurze Zeit später liegt auch John darnieder, Sonja checkt noch am Handy rum. Was mach’ ich eigentlich? Beobachte das ganze und bewege mich lautlos wie ein Geist – und genauso ruhelos. Bleibe jedoch cool und hieve später alle mit einer netten Schlagermelodie aus dem Reich der Träume.

Bad Vöslau:

Chaotisch, laut, bunt, Weihnachtsmarkt. Der geht auch noch im Schloss weiter. Seifen- und Räucherwerkstände belegen den ersten Stock. Riecht eigentlich ganz gut, so was – nur beides zusammen und alle Düfte vereint ergeben eine sehr schwere, seifige Duftwolke, die im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend ist. Sehr schnuckelig, der Weihnachtsmarkt, die Sonne streckt noch mal ihre Fingerspitzen in den Himmel, bevor sie endgültig der Nachtschwärze weicht. Es ist Advent. Und wie es sich für einen ordentlichen Advent gehört, müssen auch alle Schüler der Volksschule, wie die Grundschule in Österreich genannt wird, eine theatralische Inszenierung abliefern. Wie sie war, weiß ich nicht, auf alle Fälle jedoch belegen plötzlich unzählige Väter, Mütter, Geschwister, Onkel, Tanten, Großmütter und -väter das Treppenhaus – ein Durchkommen
ist unmöglich. So warten wir, bis dieser Strom versiegt ist. Dann haben auch wir Platz, alles zu installieren und uns vorzubereiten. Der Raum ist herrlich, super Akustik, viel Platz. Als Sonja beim Konzert die Fackel auspustet und sie vor uns stellt, rußt das Ding uns einen Song lang zu. Muss man durch, aber trotzdem danke, Sonja.
Alles klappt wunderbar und klingt himmlisch. Etwas verdutzt stelle ich fest, dass wir ja nur ein kurzes Set spielen, als wir „Atma Gyan“ anstimmen, das ja bekanntermaßen, so es gespielt wird, immer am Ende eines Sets vorkommt. Schade, grad war ich warmgespielt. Doch der Tag ist noch nicht um: Die Sachen zusammengepackt, noch schnell was auf dem Weihnachtsmarkt gefuttert und auf nach » Wien...
   
             
Impressum (c) by PERSEPHONE - All rights reserved