Es war wieder einmal dieser Tage, an denen wir gespannt
auf Martins Nachricht von der Autovermietungsfront
warteten. Diese Spannung! Was diesmal mit dem Wagen
sein wird? Haben sie endlich den bestellten Sprinter?
Der vorzeitige Anruf von Martin blieb aus. Was ist?
Haben wir ihn? Tja, diesmal hatte Martin schon vorher
resigniert…
Johannes, Juana und ich warteten darauf von den Anderen
abgeholt zu werden und schließlich kamen sie auch,
allerdings mit einem kleinen Transporter und Martins
Auto. Es hat
doch nicht alles in den Wagen gepasst, war halt mal
wieder kein Sprinter. (Wenn sich an dieser Stelle einer
der Leser dazu aufgefordert fühlen sollte, uns
einen Sprinter als Tourbus zur Verfügung stellen
zu wollen, so sei er/sie herzlich dazu eingeladen.)
Jedenfalls waren wir jetzt alle beisammen. Diesmal hatten
wir ja auch etwas mehr im Gepäck. David, unser
so lange als Überraschung geheim gehaltener Sitar-Spieler,
hatte außerdem noch eine ganze Menge Percussions
und seine Freundin Nina mit, die sich natürlich
auch nicht die Live-Premiere von David bei PERSEPHONE
entgehen lassen wollte.
So fuhren wir dann vergnügt los. Das heißt,
wir kamen etwa 500 m weit, dann kam der Asia-Snack.
David wollte unbedingt etwas essen, schließlich
hatte er am Tag zuvor noch etwas Fieber, und wir wollten
seinen Weg der Genesung nicht behindern. Da ich feststellen
musste, dass meine Burger-King-Deutschland-Karte nicht
so viel Anklang fand, wie ich mir erhofft hatte, leistete
ich David beim Essen Gesellschaft, man weiß
ja nie, wann man mal wieder was bekommt.
Kaum hatten wir das Essen während der Fahrt ohne
größere Kleckereien verputzt, mussten wir
erfahren, dass der Verurteilte Henry Gilbert wohl
doch nicht der Mörder gewesen sein soll. Paul
Temple wurde eingeschaltet und unterhielt uns so auf
der sonst recht ruhigen Fahrt.
Als wir auf dem Schloss ankamen, fühlten wir uns
schon wieder wie zu Hause. War es doch fast genau auf
den Tag vor einem Jahr, als wir das erste Mal in der
Schlosskirche spielen durften. Wieder wurde vom "Schossherrn"
Christian für uns alles möglich gemacht, sodass
wir uns optimal auf das Konzert vorbereiten konnten.
Schlossbesucher mussten sich einfach mit der Tatsache
abfinden, dass die wunderschöne Kirche schon mit
unseren Instrumenten bestückt wurde und wir uns
den Spaß nicht nehmen ließen, uns von der
Akustik verwöhnen zu lassen, weshalb wir auch schon
mal die etwas lauteren Instrumente wie Didgeridoo, Djembe
oder Cajon anspielten.
Unser Backstageraum war wieder das traumhafte Kaminzimmer,
für das wir, um es zu erreichen, unter den neidischen
Blicken der übrigen Schlossbesucher, die dicke
Samtschnur übersteigen mussten. Innen erwartete
uns das leckere Catering: Schnittchen, Kaffee, Süßigkeiten
und ordentlich viel Wodka Red Bull. Uff, jetzt schon?
Ich würde ja gerne erstmal etwas schöne
Musik machen.
So haben wir es dann auch gemacht. Wir betraten die
Kirche, die mal wieder bis auf den letzten Platz besetzt
war. Wir begannen mit Labyrinth of longings bei dem
wir es sehr genossen, dass wir David dabei hatten,
der dieses und viele andere Stücke um ein Vielfaches
bereicherte.
Dann ging es in My music is gone über. Danach
From within. Doch auch nach diesem Lied gab es keinen
Applaus. Was war los? An uns konnte es doch nicht
liegen, wir waren uns keiner Fehler bewusst. Im Gegenteil.
Doch während wir beim Spielen zu einer perfekten
Einheit wurden, merkten wir, dass das Publikum daran
so intensiv teilhaben wollte, wie es nur ging. So
merkten wir dann auch, dass es alle begriffen hatten.
- Das Konzert als Ganzes. Die Musik, die nach zwei
Stunden wieder genau dahin verschwunden ist, wo sie
anfangs herkam, sollte von niemandem unterbrochen
werden. So löste sich bei allen der so lang gehaltene
Spannungsbogen, als wir bei unserem Abgang mit tosendem
Applaus und stehenden Ovationen verabschiedet wurden.
Dieses Konzert hat eine Atmosphäre entwickelt,
die nicht alltäglich ist. Ich kann es den Verfassern
der Briefe und E-Mails, die wir nach dem Konzert erhalten
haben, nachempfinden, dass sie zutiefst berührt
waren.
Nachdem wir direkt nach dem Konzert noch die Möglichkeit
hatten,
den ausdauernden Fans, die noch im Innenhof auf uns
warteten, für Autogramme, Fotos und Gespräche
zur Verfügung zu stehen, ging es dann in den großen
Speisesaal, wo wir uns den Köstlichkeiten der Küche
hingeben konnten.
Die anschließende Party fand im Zimmer von Sonja
und Martin statt. Ich bin allerdings gar nicht sicher,
ob außer den Beiden noch jemand da war, denn
wir waren doch ganz schön müde.
Auf der Rückfahrt wurde dann auch endlich die
Frage gelöst, die uns den letzten Tag keine Ruhe
gelassen hatte. Wer war denn jetzt der Mörder?
Es war dann doch alles ganz anders und am Ende war's
der Polizeichef. Oder hab ich da was falsch verstanden?
Ich freu mich jedenfalls schon jetzt auf den 19. November,
wenn wir wieder auf das Schloss Wernigerode zurückkehren.
Holger